Shinson Hapkido Frühjahrslehrgang 2017 in Köln

Samstag kurz nach zehn Uhr. Draußen scheint die Sonne, während hundertzehn Teilnehmer*innen kreuz und quer durch die Turnhalle der Kölner Michaelischule springen. Auch der achtjährige Julian aus Plön bei Kiel hüpft fröhlich über die Matten. Gefolgt von seinem Vater Nikolas und, dicht hinter ihm, seiner Schwester Leonie. Gestern noch saßen die drei im Zug. „Mama haben wir zuhause gelassen“, erzählt Julian, „ich hab‘ Papa und Leonie geschnappt und dann sind wir hierher gefahren.“ Leonie nickt zustimmend, und fügt hinzu: „siebeneinhalb Stunden lang sind wir im Zug gesessen. Und dann haben wir im Dojang auf den Matten übernachtet!“ So begeistert wie Julian und Leonie die Anreise beschreiben, klingt sie nach Abenteuer. Das Geschwisterpaar trainiert im Dojang Eutin-Kleinmeinsdorf und „Köln“ ist nach „Aachen“ schon der zweite Frühjahrslehrgang, an dem sie, zusammen mit ihrem Vater Nikolas Teil nehmen.

Wie sie sind zwanzig Kinder zum Frühjahrslehrgang gekommen und trainieren engagiert mit. Als Großmeister Sonsanim Ko.Myong die Gemeinschaft begrüßt, sitzen die Kinder im Halbkreis in der ersten Reihe. „Was ist Do?“, fragt der Meister und die zehnjährige Annalena reagiert: sie legt die Hand aufs Herz und ihre Geste wird als Antwort angenommen. „Was ist Ki?“, fragt Sonsanim weiter, „das innere Licht“, antwortet Annalena. Die Fragerunde bricht nicht ab. „Was ist Shinson Hapkido?“ -da ruft der zehnjährige Tyler schnell: „Der Weg zur Harmonie der Kräfte!“

Die Kinder beeindrucken mit ihren Antworten, hören Sonsanim aber auch neugierig zu. „Manchmal, wenn ich in die Sonne gucke, dann denke ich daran, dass Sonsanim gesagt hat, die Sonne ist immer da, auch wenn Wolken sie verdecken“, erzählt Annalena anschließend. Beim Gruppentraining will sich Julian auf seine Gelbgürtel-Übungen konzentrieren, denn die Vorwärtsrolle kann er noch nicht, „dafür aber Rückwärtsrolle!“ Das Training bei Kyosanim Elfie mag er, „weil wir so viele Spiele machen“.

20 Kinder nahmen am Lehrgang teil

Die zehnjährige Annalena trainiert auf die baldige Orangegürtel-Prüfung, „bis dahin muss ich noch viel üben“. Als Kölnerin hat Annalena bei den Vorbereitungen zum Frühjahrslehrgang geholfen. Ihre Eltern Corinna und Thorsten haben Übernachtungsgäste aufgenommen und Annalena berichtet: „beim Salamikaufen war ich dabei!“
Leonie aus Plön übt in der Weißgürtel-Gruppe den Kontakt mit dem Boden. „Kein Problem“, sagt die sechsjährige, denn sie liebt den Rückwärtsfall.

Samstag Abend im Kölner Dojang: Leonie und Julian stehen mit einem Teller in der Hand vor dem üppigen Buffet im Vorraum: Teller, Schüsseln und Tabletts mit unterschiedlichen Speisen machen die Entscheidung schwer. Hinter der Theke schlägt jemand den Hahn ins Kölschfass, ein paar andere jubeln, der Schlag hat gesessen. Mit vollgehäuften Tellern sitzen die Kinder nun am Tisch, Trainieren hat hungrig gemacht. Obwohl ihr der Trubel gut gefällt, freut sich Leonie darauf, dass die Party zuende ist. Denn heute wird sie im Vorraum auf dem Sofa schlafen, „das ist noch bequemer“, hofft sie. „Und leiser“, fügt sie hinzu, „ich hab gestern zusammen mit Julian und meinem Vater auf der Weichbodenmatte im Dojang übernachtet. Und da haben ganz viele Leute geschnarcht. Aber mein Vater nicht! Der hat nämlich ein Gerät, damit er nicht schnarcht“, erklärt Leonie. Wo es dieses Gerät gibt und was das genau ist, kann sie nicht sagen. Aber vielleicht könnten wir es herausfinden und vor dem nächsten Lehrgang an die anderen Übernachtungsgäste verteilen.

Gemeinschaftlich und mit Spaß zusammen trainieren

Sonntag 5 Uhr 45, die Nacht war kurz. Jetzt beginnt auch für einige Kinder die Meditation. Erst später, beim Gemeinschaftstraining, fällt auf, dass es nicht mehr alle Kinder in die Turnhalle geschafft haben, einige fehlen. Julian, Leonie und Annalena trainieren aber tapfer mit, obwohl sie schon ein bisschen müde sind. Die Geschwister aus Plön wollen bis zum Schluss dabei sein. „Wenn der Lehrgang um zwei Uhr vorbei ist, fahren wir noch zu Oma und Opa,“ sagt Julian, „dann können wir ja dort schlafen.“

Text von Renate Werner (Dojang Köln) und Fotos aus dem Training wurden gestellt von Myriam Alexowitz (www.sportartsfotografie.de), das Gruppenbild von Vincent Kaperlat (www.kaperlat.eu) – Danke!

Abschlussgruppenbild vom Frühjahrslehrgang 2017 in Köln